Am Ende diese Arbeit

Ist Arbeit am Ende? Oder nur unsichtbar, weil sie woanders stattfindet, automatisiert oder immateriell ist? Welche Denkprozesse regt der Umgang mit unterschiedlichen Materialien und sozialen Kontexten an? Worin besteht künstlerische Arbeit? Ist es eine Vielzahl an Austauschprozessen, die gleichbleibende Werkform, ein marktfähiges Produkt oder all das zugleich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die diesjährige Sammlungsausstellung.

Präsentiert werden Neuerwerbungen, Leihgaben und Sammlungsbestände aus drei Jahrzehnten. Zentral ist dabei die raumgreifende Installation BEYOND II von Till Exit aus dem Jahr 1995, die erstmals in der GfZK gezeigt wird. Dem gegenüber steht „Der Schrank“, die Kunstsammlung von Ramon Haze, einer von Holmer Feldmann und Andreas Grahl 1996 erfundenen Figur. Beide Arbeiten sind von den Umbrüchen nach 1989 inspiriert, die nicht nur die Produktionsweisen, sondern vielmehr auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Leben und Arbeit grundlegend veränderten. Diese Bedingungen befragt aus heutiger Sicht „Das Radikale Empathiachat“, ein Video von 2018, in dem junge Erwachsene auf Einladung von Anna Witt ihre Ansprüche an die Gegenwart formulieren. „Naherholung“ – eine Edition von fabrics interseason aus der Modekollektion #CLUB MED / CHLOR (2003)* thematisiert die Vermarktung von Freizeit. Am Beispiel von Las Vegas zeigt der 1999-er Film „am/pm“*** von Sarah Morris, wie die Illusion, dass es jenseits von Arbeit Erholung geben kann, fortlaufend produziert wird. Um die Verarbeitung von Werkstoffen geht es in den aus Gummischläuchen gefertigten Bänderobjekten (1994)*** von Maren Roloff und in der Siebdruckserie cotton rubber (2017)*** von Céline Condorelli. Andrea Büttner setzt sich in der Diaprojektion The Archive of the Lives of the Little Sisters of Jesus with Circuses and Fun Fair (2012)* mit der Tätigkeit eines Schwesternordens auseinander, die auf Jahrmärkten mit anderen zusammenarbeiten.

Der Zusammenhang von kollektiver Arbeit und sozialem Mehrwert manifestiert sich in den Running Tables (1997)** von Dan Peterman, sowie in der Foto- und Videoinstallation The Building – The Bike Shop – Andy’s Furniture (2001)** von Gitte Villesen, die den Alltag in Petermans Chicagoer Nachbarschaftsprojekt begleitet. Immer wieder tauchen die Comiczeichnungen von Anna Haifisch in der Ausstellung auf. Die von ihr geschaffene Figur The Artist (seit 2016)* verhält sich zur Kunst von anderen, versucht sich im Kunstsystem zu verorten und es gleichzeitig zu hinterfragen.

Am Ende diese Arbeit – der Ausstellungstitel umschreibt letztlich auch künstlerische und kuratorische Arbeitsprozesse, die verzweigt sind und zu ganz anderen Denk- und Handlungsräumen führen können, als jenen, zu denen man aufgebrochen ist. Diese Prozesse werden zum Teil offengelegt und kommentieren sich – mitunter humorvoll.

Begleitend zur Ausstellung hat Anna Haifisch eine dreiteilige Siebdruckedition gestaltet (Auflage je 50 Stück), die in der GfZK erhältlich ist.

* 8.2.-20.9.2020
** 8.2.-10.5.2020
*** 14.7.-31.1.2021

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