Jüdinnen engagierten sich maßgeblich in der Frauenbewegung seit Mitte des 19. Jahrhundert. Die Historikerin Irmgard Maya Fassmann hat herausgefunden, dass von 60 führenden deutschen Frauenrechtlerinnen 20 jüdisch waren – eine Quote, die weit höher ist als der Anteil in der Gesamtbevölkerung. 1865 gründete die Leipzigerin Henriette Goldschmidt den Frauenbildungsverein und saß 40 Jahre lang im Vorstand des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Ab 1900 gab es Bestrebungen, die Rolle der Frauen in der jüdischen Kultur zu stärken. Im Zuge dessen wurde der Jüdische Frauenbund (JFB) 1904 gegründet. 1920 gelang es Julie Salinger als erste jüdische Abgeordnete in den Sächsischen Landtag. Wie stark ist das Engagement von Jüdinnen in der heutigen Zeit? Welche Erfolge hat die Emanzipation auch im Judentum erzielt? Wo kommt Frauen eine besondere Rolle zu? Rabbinerin Jasmin Miriam Andriani ist seit 2020 Rabbinerin der liberalen jüdischen Gemeinde Göttingen. Ihre Ausbildung zur Rabbinerin erhielt sie am Abraham-Geiger-Kolleg Potsdam. Rebbetzin Marina Charnis arbeitet in der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig in der Kinder- und Jugendprojektarbeit und ist Teilnehmerin verschiedener Weiterbildungs- und Vernetzungsprogramme für Rebbetzins in Europa. Sie hat Medientechnik studiert und ist verheiratet mit dem sächsischen Landesrabbiner und Militärbundesrabbiner Zsolt Balla. Mit ihnen spricht Dr. Nora Pester, Verlegerin des Hentrich&Hentrich-Verlages für jüdische Kultur und Zeitgeschichte Leipzig.
Das Gespräch ist Teil der Veranstaltungsreihe „Jetzt mal Tacheles! Gespräche über Verantwortung, Religion und jüdische Zukunft“ im Rahmen von TACHELES 2026, dem Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen.
