Buchvorstellung DamenzimmerHerrenschnitt mit Heidi Specker und Ronya Othmann

Heidi Specker, Emoji, 2026 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Heidi Specker, Emoji, 2026 © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Aenne Biermann war eine der eigenwilligsten Fotografinnen des Neuen Sehens – und ist heute vor allem eine Leerstelle: Die jüdische Autodidaktin starb 1933 mit nur 34 Jahren, ein Großteil ihres Nachlasses wurde von den Nationalsozialisten geraubt oder gilt als verschollen. Über mehrere Jahre hat sich die Fotografin Heidi Specker dieser Geschichte angenähert: über öffentliche und private Sammlungen, über Recherchen zur Fluchtgeschichte der Familie Biermann, über die Erinnerungen der Nachfahr*innen, denen sie in Gera, Triest und Wien begegnete. In Gegenüberstellungen empfindet sie Biermanns Themen und Kompositionen nach, eignet sie sich an und übersetzt sie in die Gegenwart. Zur Ausstellung DamenzimmerHerrenschnitt. Eine Hommage an Aenne Biermann in der GfZK erscheint nun die gleichnamige Publikation (Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König), in der neben Speckers Bildern ein Text von Ronya Othmann steht – der Autorin, deren Schreiben immer wieder um Verfolgung, Flucht und die Lücken in Familiengeschichten kreist.

Heidi Specker, 1962 in Damme geboren, wurde 1995 Meisterschülerin von Joachim Brohm an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie seit 2011 die Professur für Fotografie innehat. Sie arbeitet in fotografischen Serien, die von Architektur über die Dingwelt bis zum Porträt reichen, und publiziert regelmäßig Künstlerinnenbücher, zuletzt In Front Of (Snoeck, 2016) und Damme (Verlag der Buchhandlung Walther König, 2020). Für Im Garten (Steidl, 2005) erhielt sie den Deutschen Fotopreis, 2010 war sie Stipendiatin der Villa Massimo in Rom. Heidi Specker lebt in Berlin.

Ronya Othmann, 1993 als Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdisch-êzîdischen Vaters in München geboren, schreibt Lyrik, Prosa, Essays und journalistisch – u.a. über den Genozid an den Ezîden, über Flucht, Trauma und Diskriminierung. Auf den Roman Die Sommer (Hanser, 2020) und den Lyrikband die verbrechen (Hanser, 2021) folgte Vierundsiebzig (Rowohlt, 2024), ausgezeichnet u. a. mit dem Düsseldorfer Literaturpreis und dem Erich-Loest-Preis. Zuletzt erschien die Reportage Rückkehr nach Syrien (Rowohlt, 2025). Ronya Othmann lebt in Leipzig.

Die Buchvorstellung findet im Rahmen des Literarischen Herbst. Leipziger Festival für Literatur (11.–17.10.26) statt.

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