Anna Witt: Durch Wände gehen

Auf Landkarten als klare Trennlinie erkennbar, ist die Grenze mitnichten ein statisches Gebilde. Tagtäglich wird sie von Menschen übertreten, aus unterschiedlichsten Beweggründen und unter verschiedensten Bedingungen. Die Grenze definiert einen nationalen Raum, politische Zuständigkeiten, Kriterien des Ein- und Ausschlusses und wird umkämpft, verschoben und ausgehandelt. Diese Prozesse schreiben sich im Alltag und den Biografien derer, die eine Grenze übertreten, fort.

Durch Wände gehen ist eine „Fähigkeit“, die man eher als Trick in Computerspielen kennt. Als Titel für Anna Witts Projekt umschreibt er den Umstand von Flucht, einer Bewegung, die raus aus einer bedrohlichen Situation, oft über Grenzen hinweg und entgegen Widerstände, an einen vermeintlich sicheren Ort führt. Tatsächlich bedeutet diese Bewegung für die Flüchtenden jedoch, eine prekäre Lebensrealität gegen eine andere zu tauschen. Und die Grenze ist dabei nicht die einzige Wand, die es zu überwinden gilt.

Ausgangspunkt für Durch Wände gehen sind zwei individuelle Erfahrungen von Flucht. In Zusammenarbeit mit einem nach Sachsen geflüchteten Syrer und einer aus der DDR geflüchteten Deutschen, sucht Witt nach Analogien zwischen aktuellen und historischen Ereignissen, die das Leben ihrer Protagonisten maßgeblich verändert haben. Ihre Arbeit konfrontiert unterschiedliche Wahrnehmungen, Blickachsen und Zuschreibungen miteinander. Um Fragen der Repräsentation und Identifikation zu untersuchen, erzählt Witt zunächst die Geschichten ihrer beiden Protagonist_innen. Die für die Räume der GfZK entwickelte Installation bildet den Rahmen für den filmisch begleiteten Dialog, der anfangs dokumentarisch ist und später auch fiktionale und narrative Elemente aufgreift. Die Installation wird nach und nach verändert und dient mal als Vorführraum und Bildarchiv, mal als mobiles Film-Studio.

Anna Witt ist Preisträgerin des Kunstpreises Europas Zukunft und hat in Zusammenarbeit mit der GfZK eine neue Arbeit entwickelt. Ihr Projekt Durch Wände gehen ist Teil der Ausstellungsreihe Travestie für Fortgeschrittene und wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und den Fonds Perspektive sowie alpha 2000 und Europas Zukunft Gesellschaft zeitgenössischer Kunst.

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